From - Tue Jul  1 16:33:25 1997
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Subject: Neue Ueberwachungsideen
Date: Tue, 01 Jul 97 11:43:49 GMT
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Hallo Leute, 

folgendes koennte Euch vielleicht interessieren - es geht nur auf die groebsten 
Kloepse der Bundesratsvorlage ein:


Glaeserne Handies - Grundrecht zur Disposition

Zu geplanten Verschaerfungen bei der Telefonueberwachung erklaert der 
forschungs- und postpolitische Sprecher der Fraktion Buendnis 90/Gruene im 
Bundestag, Dr. Manuel Kiper: 

In seiner Sitzung am 4. Juli beraet der Bundesrat ueber massive Ausweitungen 
der Befugnisse zur Telefonueberwachung. Verschiedene Bundeslaender haben 
Ergaenzungswuensche zum unscheinbaren Telekommunikations-Begleitgesetz 
vorgelegt, die einen Sprengsatz aus diesem Artikelgesetz machen, das letzte
Woche ohne Aussprache in den Bundestag eingebracht worden ist.

Die Bundesregierung beabsichtigt mit dem Telekommunikations-Begleitgesetz "nur" 
die Ausweitung der UEberwachungsbefugnisse auf interne Firmennetzwerke - sog. 
corporate networks - und Klarstellungen, um auch E-Mail-Verkehr ueberwachen zu 
koennen. Auf Initiative von Bayern und anderen Laendern kamen nun hinzu: 

*   Mobiltelefone als Peilsender: eingeschaltete Mobiltelefone geben 
automatisch ihre Positionsdaten ab. Durch eine AEnderung des § 100 c der 
Strafprozessordnung sollen Sicherheitsbehoerden nun auch diese Daten zur 
Ortsfeststellung und fuer Bewegungsbilder nutzen koennen. 
*   UEberwachung Dritter durch Rasterfahndung im AEther: Die 
Sicherheitsbehoerden sollen Geraete (sog. IMSI-Catcher) nutzen duerfen, die den 
gesamten Mobilfunk-Verkehr ueberwachen und neben Netzkennungen von Teilnehmern 
sogar verschleierte Telefonate mithoeren koennen. Dabei wird bewusst in Kauf 
genommen, dass auch alle Mobiltelefon-Gespraeche unbeteiligter Dritter in 
derselben Funkzelle abhoerbar werden.
*   Praeventive UEberwachung: Das Zollkriminalamt darf in besonderen Faellen - 
insbesondere dem Handel mit Kriegswaffen - praeventiv Telefone ueberwachen. Die 
Daten dieser praeventiven UEberwachung sollen nun auch an 
Verfassungsschutzaemter weitergegeben werden.

Wieder einmal soll jede sich bietende Gelegenheit genutzt werden, die 
UEberwachungsbefugnisse der Sicherheitsbehoerden auszudehnen. Das 
Fernmeldegeheimnis wird dazu passend zurechtgestutzt. Eine Erfolgskontrolle 
nach Muster der USA ist deutschen Sicherheitsbehoerden laestig. Den Erfolg 
solcher UEberwachungsmassnahmen koennen die Behoerden nicht nur nicht belegen, 
sie wollen es erklaertermassen gar nicht. Mit unpruefbaren Bedrohungsszenarien 
sollen neue UEberwachungsbefugnisse erwirkt werden. Ein Grundrecht wird damit 
zur Disposition der Sicherheitsbehoerden gestellt - ein Versagen der Politik in 
einem demokratischen Rechtsstaat.




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Ingo Ruhmann                           Dr. Manuel Kiper Mdb
Wissenschaftlicher Mitarbeiter      Buendnis 90/Die Gruenen
                                          Bundeshaus HT 404
                                               D-53113 Bonn
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